Eduard Wilsing - Neuherausgabe des Klavierwerks

Hintergrund 

Der Förderverein Piano-Piano ist Träger des Projektes mit dem die Neuausgabe des gesamten romantische Klavierwerkes des in Hörde geborenen Komponisten Eduard Wilsing (1809-1893) gesichert wurden. Initiiert wurde es in der Zusammenarbeit zwischen Rainer Maria Klaas, Gerhard Stranz und Maximilian van Bremen.

Das Werk drohte verloren zu gehen. Die seinerzeit von Robert Schumann sehr gewürdigten Werke des jungen Komponisten stehen jetzt nach der Neuherausgabe durch den Musikwissenschaftler Guido Johannes Joerg und der Veröffentlichung des Dohr-Verlages für zukünftige Generationen zur Verfügung. Eine breite Bürgerbewegung hat die Realisierung dieses Projektes ermöglicht.

Das Werk umfasst 8 mehrsätzige Werke, die u.a. von Robert Schumann Wertschätzung erfahren haben, indem er betonte, dass „das überwiegende Gute seines Werkes die Achtung aller gebildeten Menschen erwerben (muss); möge ihn das ermuntern zu fortgesetztem Streben.“ Eduard Wilsing stand nach 1809 in einer Reihe bedeutender romantischer europäischer Komponisten, wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Frédéric Chopin, Franz Liszt, Ludwig Kufferath.
(Ausführliche Informationen zum dem Werk sind auf der Internetseite des Verlages vorhanden: https://www.dohr.de/autor/wilsing.htm)

          

                 

Eduard Wilsing

Ein Komponist aus Hörde
Biographische Skizze zu Eduard Wilsing
(1809-1893)

Daniel Friedrich Eduard Wilsing, meist kurz Eduard Wilsing genannt, wurde am 21. Oktober 1809 in Hörde geboren, einer von Dortmund damals unabhängigen kleinen Stadt, die erst 1928 endgültig nach Dortmund eingemeindet wurde. Eduard Wilsings Vater war der reformierte Prediger Johann Wilhelm Wilsing, damals längst Hörder Bürger, während die Geschichte seines Urgroßvaters Johann Gottlieb Preller (1727-1786) sich ins thüringische Apolda zurückverfolgen lässt. Dieser Vorfahr ist insofern von besonderem Interesse, als er 1753 Kantor an der Dortmunder Marienkirche wurde und dort ein “Collegium Musicum”, also eine Art Kammerorchester, ins Leben rief. Eduard Wilsings professionell-musikalische Wurzeln, soweit sie sich nachweisen lassen, reichen also rund zwei Jahrhunderte zurück.

Nach dem Dortmunder Gymnasium und einer Lehrerausbildung in Soest übernahm der bis dahin offenbar nicht speziell musikalisch ausgebildete 20-jährige Wilsing eine Tätigkeit als Organist und Gesangslehrer in der evangelischen Gemeinde zu Wesel am Niederrhein. 1834, inzwischen immerhin 25, zog es ihn nach Berlin, wo er Unterricht bei dem Pianisten und Komponisten Ludwig Berger (1777-1839) nahm. Bei diesem angesehenen Musiker waren auch Felix Mendelssohn, Otto Nicolai und Wilhelm Taubert in die Schule gegangen. Berger wird um die Zeit seines Todes herum auch Widmungsträger des “Opus 1” von Wilsing werden, nämlich der “Trois Grandes Sonates”, die bei dem renommierten Verlag Bote & Bock in Berlin erschienen.

Ein großes Glück war es für Eduard Wilsing, dass Robert Schumann, der gestrenge Kritiker der selbstgegründeten “Neuen Zeitschrift für 

Musik”, sich zwischen 1839 und 1853 in diesem wichtigen Presseorgan gleich mehrfach positiv über das Schaffen des um ein Jahr älteren westfälischen Kollegen äußerte – nicht ohne ihm Ratschläge über die “Prosa eines stillen Studierstübchens hinaus” zu erteilen. Schumanns Lob von 1853 über Wilsings Oratorium “De profundis” ist allerdings uneingeschränkt: dieses Werk gehöre “zu den größten und gewaltigsten Meisterwerken, die unsere Zeit hervorgebracht.”

Dieses Werk von 1850 wie auch das Jahrzehnte später entstandene Oratorium “Jesus Christus” dokumentieren die Hinwendung Eduard Wilsings zur geistlichen Vokalmusik; Klavierstücke scheint er nach dem genannten Opus 1, der Caprice op. 6, der Sonate op. 7, der Phantasie op. 10, der Humoreske op. 11 sowie drei Fugen ohne Opuszahl – all diese Stücke sind Gegenstand der brandaktuellen Neuausgabe 2021 beim Dohr-Verlag – nicht mehr geschrieben, jedenfalls nicht veröffentlicht zu haben.

Überhaupt verlief der Berliner Lebensweg Wilsings recht unspektakulär, wenn man von der Würdigung des “De profundis” durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. im Jahre 1850 einmal absieht. Um diese Zeit herum heiratete Eduard Wilsing in Berlin eine Nichte des jüdischstämmigen Juristen und Literaten Julius Eduard Hitzig. Das Paar hatte einen Sohn, den 1856 geborenen Johannes Moritz Daniel Wilsing, der ein renommierter Astronom und Forscher am Astrophysikalischen Observatorium in Potsdam wurde.

Es heißt, dass Wilsings Ehe nicht glücklich gewesen sei und eine längere seelische Erkrankung des Komponisten ausgelöst habe. Wie der Robert-Schumann-Schüler Hermann Krigar in einem Brief erwähnt – “Er selbst ist nicht im Stande für sein Werk […] auch nur einen Schritt zu thun” –, war Wilsing wohl nicht der Mann, der die Trommel für sein eigenes Werk rührte. Gegen Ende seines Lebens – der Tod ereilte den 83-jährigen am 2. Mai 1893 in Berlin – soll er viele persönliche Dokumente verbrannt haben, darunter möglicherweise auch Musikmanuskripte, die er jahrelang unter Verschluss gehalten hatte.

Was wir an Musikwerken von Eduard Wilsing haben, verdient aber der Pflege durch Interpreten, Veranstalter und ein offenes Publikum – weit über die Grenzen seiner Hörder oder Dortmunder Heimat hinaus.

Rainer M. Klaas

Präsentation des Ergebnisses 

Das Ergebnis der mehrjährigen Arbeit, bei der die Werke zusammengetragen und im Rahmen musikkritischen Bearbeitung neu herausgegeben wurden, fand am 26.11.2021 im Bürgersaal in Dortmund-Hörde statt. Um Gefährdungen durch eine Virusinfektion zu vermeiden, wurden die Teilnehmendenanzahl extrem reduziert, jedoch neben einer Fotodokumentation eine Videoaufzeichnung vorgenommen, die die Veranstaltung dokumentiert und Interessierten u.a. einen Einblick in die musikalische Qualität gibt und den Gesamtzusammenhang des Projektes beleuchtet.

Hier finden Sie: Ausschnitt der gespielten Sonate

Mitwirkende sind die Dortmunder Konzertmeisterin Shinkyung Kim, der Pianisten und Mitinitiator Rainer Maria Klaas sowie der junge Pianist Luis Benedict Alfsmann, mehrfacher Preisträger beim Westfälischen-van-Bremen-Klavierwettbewerb. Informationen zu Leben und Werk des Komponisten sowie ein Fachvortrag des Herausgebers geben zudem einen Einblick in den Werkzusammenhang.



Veranstaltungsvideos

Aus deinem von Jochen Hartman-Hilter erstellten Mitschnitt der Veranstaltung stehen folgende Einzel-Videos zur Verfügung

Begrüßung: 

Vorstellung des Projektes und Dank an die Fördernden. Verlesen des Grußwortes von Maximilian van Bremen für den Trägerverein Piano-Piano von
Gerhard Stranz

hier gehts zum Grußwort: https://youtu.be/f3kr3miAL40

Begrüßung in Dortmund-Hörde: 

Michael Depenbrock
Bezirksbürgermeister / Stadtbezirksmarketing

hier gehts zu Herr Depenbrocks Worten: https://youtu.be/EzGdcDw5a40

Musikalische Visitenkarte EINS:

Auszug aus der Sonate für Klavier und Violine A-Dur (1832)
Allegro moderato – Andante – Rondo: Allegretto
Shinkyung Kim, Violine - Rainer Maria Klaas, Klavier

hier gehts zum Auzug des Konzerts: https://youtu.be/yTmPyF_nctE

Daniel Friedrich Eduard Wilsing: 

Ein Komponist aus Dortmund, sein Werk und das gesellschaftliche Engagement zur Sicherung seines Wirkens
Rainer Maria Klaas

hier gehts zu Herr Klaas Worten: https://youtu.be/yTmPyF_nctE

Eine Stadt überrascht – Musik verbindet Menschen:
Zur Bedeutung des Werkes von Eduard Wilsing
Dr. Stefan Mühlhofer
Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe Dortmund

hier gehts zu Herr Mühlhofers Worten: https://youtu.be/llUAVDlMAh4

Fachvortrag: Anmerkungen zur kritischen Edition von Wilsings Klaviermusik

Ein Blick in die Werkstatt des Komponisten wie seines Herausgebers

Guido Johannes Joerg:

Anmerkungen zur kritischen Edition von Daniel Friedrich Eduard Wilsings Klaviermusik – ein Blick in die Werkstatt des Komponisten wie seines Herausgebers. Vortrag vom 26. November 2021 in Dortmund-Hörde.

hier gehts zu Herr Joergs Worten: https://youtu.be/KsrwfmmtNZ8

Klaviersonate Fis-Dur op. 7 (1843)

Allegro – Larghetto cantabile e con affetto – Allegro vivace

Luis Benedict Alfsmann, Klavier

hier gehts zur vorgetragenen Sonate: https://youtu.be/99zj8nx61WE


Die Klavierwerke Eduard Wilsings sind im Pianohaus van Bremen zu erwerben und können auch direkt beim Dohr-Verlag erworben werden.